randolph. fünf minuten einer bewerbung vor filmproduzenten.

  1. das sogen. setting ist, in wenigen minuten eine filmidee so zu skizzieren, dass leute mit vermögen ja sagen zu einem minimal ausgearbeiteten plot, und die dinge dann ihren verlauf nehmen. wie stets, zeigen die beurteilenden keine regung, als müssten sie gesichter produzieren wie bei kartenspielen, wo jede erregung ein fehler ist. der sich bewerbende autor liest vor, ohne deklamation. er berichtet zu seiner idee und spricht;
  2. „randolph, zunächst in untersuchungshaft, dann gefangen. hätte seine frau schwer verletzt, bewusstlos, hat notarzt und polizei hertelefoniert, hat sich nicht fassen können, dass er es getan hatte. später, vor urteil, sagte er, ich wollte wissen, was passiert. ja, sagte er, ich konnte den plötzlichen drang, sie zu töten, nicht unterdrücken, und ich habe nicht sie gemeint, in diesem moment war sie nicht meine frau.

    seine verurteilung wegen totschlagversuch ließ ihn drei jahre hinter gitter. hernach versuchte er fuss zu fassen, die früheren kunden wollten mit ihm nichts zu tun haben. er brauchte drei weitere jahre, um als elektromeister in einem anderen ort seinen beruf zu tun, den er zu keiner zeit hat erledigen wollen.“

  3. der kleine plot wurde abgelehnt, aber zögerlich. die schlusssequenz des elektromeisters, der seinem beruf unglücklich folgt, hat zweidrittel der urteilenden einigermassen berührt. das, so sagten sie, wäre eigentlich der einstieg in eine serie, hier, sagten sie, nimmt die weitere existenz des probanden den zuschauer mit, in einen alltag, ein leben, das eigentlich nicht mehr zu meistern ist. da müsste man nacharbeiten, bzw. ganz neu ansetzen, weil das die blaupause ist, die immer zu verhandelnde konstellation von scheitern und überleben.
  4. blaupause ist ein alter begriff, der nicht länger taugt. der autor aber ist schwach und verliert sein gesicht, er war sich sicher gewesen, zu vereinnahmen, die welt von seinem vorhaben zugewinnen, zu realisieren, was ihm als wirklichkeit bitternotwenig ist.
  5. in der schlusseinstellung des 90minütigen tv-dramas, das kein drama ist, holt unser autor aus seinem rucksack das verkleiden eines elektrofachmanns heraus und zieht sich aus und zieht sich an. er geht zu mikrophonen, zu deckenleuchten, zu den kabeln der elektroheizung, er kappt die verbindungen. in der letzten einstellung sehen wir, wie die beurteilenden ganz langsam verbleichen,  geradeso wie fotografien, auf billigem papier entwickelt, mit der zeit die gestalten verlieren. der abspann zählt wie immer alle beteiligten auf, unleserlich in kleiner schrift. randolph genehmigt sich noch eine flasche bier und während er trinkt, sagt er zu sich, es ist mein film; ich habe es geschafft.

 

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