nicht_1

als ich studierte, studierte ich nicht. als ich heiratete, heiratete ich nicht. als ich vater war, hatte ich keine kinder. als ich starb, war ich nicht da.

nun, das sollte in gedichtform geformt werden. aber lassen wir das. es gibt noch ein anderes ende. als ich starb, hat man mich nicht gesehen.

jemand, der mich von früher … früher mich mit namen bezeichnen

zu glauben meinte, suchte – man nennt soetwas einen schulfreund – suchte auf dem alten und neu restaurierten schulhof nach meiner leiche. manche, freilich, sagten, redeten, sprachen darüber, ich sei am leben, und es wäre sinnlos, mit nachforschungen ein ergebnis zu bekommen. absatz.

manche freilich müssen drunten sterben,
wo die schweren ruder der schiffe streifen,
andre wohnen bei dem steuer droben,
kennen vogelflug und die länder der sterne.

von von hoffmansthal

manche, freilich … man schlage nach in den aufzeichnungen. ich habe diesen wortklang, wörterklänge schon oft benutzt. manche, freilich … sie sind der rest. einige wenige von so vielen, die meinen zu wissen, wo es hingeht. manche, die wenigen, wissen, nein, sie spüren, dass es nirgendwohin geht, weder im jetzt noch im später. sie finden sich ein im gefangensein, brauchen keinen trost, ein bild: ein leben im ende. ein leben im ende. von beginn an: warum sich bewegen, warum so tun, als ob. als ob man in sich etwas bewegen könnte, um. es gibt kein um. die bewegungslosigkeit ist eine wahrheit, weil niemand, der sich scheinbar bewegt, seinem ende dadurch nicht entkommen kann. der erfolg, das gelebte ach so besungene gelebte leben wird nichts ausrichten können, ganz gleich, wie sattmachend man es gestaltet zu haben dachte. manche, die freilichen, wissen, dass es kein sattmachen geben kann, es ist egal, ob man viel erlebt hat oder weniger oder auch nichts. das drunten ist weniger schmerzhaft als das droben, es ist alles ein schmerz, der sich nicht tilgen lässt. wir schreiber haben damit zu tun, mehr oder weniger leidend, aber immer, wenn wir wirkliche schreiber sind und sein müssen, leiden wir, es nicht derart benennen zu können, die fehlenden wörter, die es nicht gibt, um alle zu erreichen, leser und nichtleser und alle, die vorübergehen.

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