kreativlaube, ohne ich

gustav mahler komponierte in einer laube in seinem garten, er blieb oftmals allein, annähernd ungestört, doch er wehrte kinder-und fraubesuch nicht kategorisch ab, wie ein thomas mann, der, kategorisch alleinheit simulierend und erst dann, wenn anzug, krawatte etc. angegossen wirkten, sich zum schreibvorgang niederliess. er musste sich gefallen, mögen, vergewissern und die scham darüber im schreibraum verbergen. wenn es heisst, er, mann, schrieb von acht bis zwölf, so verbrachte thomas mann eine gute stunde, um sich in einem setting aus stil und freisein von kind, frau und den anhaftenden rollen, störenden, falschen zuneigungen dem schreibritual hinzugeben. um 9.30 gelingt ihm der einstieg in den sogen. flow, die dritte zigarre wird gezündet. das gedämpfte und sich entfernende kinderlauten wird von seiner frau und oder einer kinderfrau weiter weg gezogen, und gegen zehn am morgen ist alles so, wie es ein schreibender braucht, ruhig, in verlogener einsamkeit, autonomer führer sich fügender buchstaben, worte, wörter, satzzeichen, zusammenhänge, mitteilungen aus dem off. nun, thomas mann wusste um sein setting, und so war er kein glücklicher beim schreiben, er flüchtete, er flüchtete sich, und seine erarbeitungen, texte etc. haben ihn nicht wirksam getröstet, haben ihm keine basis geschaffen, haus, hof und kind und frau zu verlassen, aus dem schreibzimmer zu gehen, sagen, dass alles falsch gewesen ist, und ob jemals das richtige leben sein wird, ist vollkommen ungewiss. nun, wir schreiber sind nicht vollkommen anders als thomas m., die settings variieren ein wenig, wenig, zuweilen.

in pacific palisades greift er sich an die brust, wo das herz schlägt, er hätte aufmerken müssen, dass es in seinem setting nicht mehr sehr lange zugeht, wie jahrelang ritualisiert. er ignoriert und schreibt seinen letzten grossen text als letzte abwehr von all dem, was abzuwehren gewesen war.

wir schreiber sind nicht anders. unsere schreibstunden kürzen unsere einlässe. wir sind in unseren stuben, gartenhäusern, cafes, stipendien, verlagsfinanzen etc. wir sind nachgefragt und leben nachgefragt bis zum schluss, mit und ohne erfolg.

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