kafka was here

am verrauchten universitätsgebäude der mit pinsel und gelber farbe aufgebrachte satz. ein einziges fahrrad lehnt in der abstellvorrichtung. der hausmeister ist weggegangen. er hat die stromleitung gekappt. man sieht im laternenlicht den dünnen regen. jemand radelt vorbei und sieht nur nach vorne, um auf der radlerspur zu bleiben. am nächsten morgen wird ein kleines mädchen, in der hand der mutter auf dem weg zum studentenkindergarten ein blatt papier finden, das halbseitige notat einer vorlesung, oder stichworte eines seminars, oder einer übung, wie man es hochschulmässig nennt. die mutter, die frau an der Kleinen seite, liest den kafkasatz und vergisst ihn. sie ist eilig, wie studentenmütter zu sein haben, immer im begriff, das nächstzutuende in der bewegung vorwegzunehmen, um zeit herauszuholen für sich oder sonstwas, was nicht herauszuholen sein wird. den geruch des abgebrannten gebäudes riecht sie nicht. sie kämpft sich durch den regen, der weniger fein vom himmel fällt. zuweilen zieht sie ihre tochter zu schnellerem gehen. sie friert und wünscht sich in das cafe an der ecke, unweit des studierens, zu kaffee und kakao und einem süssen imbiss, wo sie vielleicht notizen oder manuskripte ansehen kann und sie begutachten, in ruhe und bestätigung, wissenschaftlich gearbeitet zu haben. kafka ruht neben ihr aus, er sieht ihr zu, er lehnt sich zurück, er hat alles richtig beschrieben, es braucht keine korrektur, so fehlgehend doch alles ist.

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