in einer todeszelle

wo das ende berechnet ist, schiebt der wachhabende papiers durch den türschlitz, er sagt dabei, schreib endlich, damit ruhe ist. der zum tod berurteilte wird einige tage oder wochen schreiben, er weiss, dass sämtliche aufzeichnungen nach seinem ableben vernichtet werden, es ist ein ritual, dem alle bewohner der gefangenschaft beizuwohnen haben, wenn im hof die mehr oder weniger grossen papierhaufen verbrannt werden. es ermutigt sie, auch nach papier zu verlangen, weil, wie sie zu fühlen glauben, dieses scheinbar vergebliche hinkritzeln eine wohltat, ein wohlfühlen gibt, was mit nichts anderem … in dieser lebenslage … zu erreichen ist. schreiben, obwohl es in bälde gelöscht werden wird. obwohl das digitale längst das normale geworden ist, verlangt jeder insasse nach papier, und, bevor es verbrennt, könnte man die eine oder andere kraft, energie, wütende und trostferne energie erkennen, mit der buchstaben in das papier getrieben worden sind. manche schrift erscheint federleicht, was nichts zu bedeuten hat.

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