die welt zum weinen bringen

als ich (als) organist, der auf dem klavier die gemeinde zum singen ermutigt, mein im vorhinein komponiertes nachspiel zum besten gab – ich komponiere nicht: fingerfügungen, planlos, schenken mir klänge und melodien, die zu herzen gehen können – so dass beim finden solcher musik ich selbst ergriffen bin und ich eine solche komposition unablässig wiederhole, bis traurigkeit wie balsam meine seele umgibt … als ich dann so spielte, am ende des gottesdienstes, und ich annähernd bei mir war, wie im moment, als als ich diese musik fand, absatz. annähernd.

dann war der dienst zuende. und eine frau rief mich mit namen und sagte, ich habe, ich hätte sie zum weinen gebracht. ich sagte, ich würde nur dann so komponieren können, wenn ich mich trösten will, wofür und

wovon und weswegen, ich weiss es nicht. absatz.

ich komponiere nur wegen trost. manchmal gehe ich zum klavier, und nichts stellt sich ein; es ist falsch. weil ich weder traurig bin oder untröstlich. manches mal gehe ich zum klavier, und weiss nicht, warum. ich bin unvorbereitet. ich spüre nichts in mir, aber meine finger führen mich, und dann in eine art bodenlosigeit und dem bemühen, das sofort mit zufallenden klängen trösten zu können. das sind glückliche momente, die ich transportiere in die kirchengemeinde der glaubenden, und sie, die glauben glaubenden, vergessen den gottesdienst, die predigt, das heruntergebetethabende und hören meine klänge und finden sich geborgen, fern von religionsübungen und mit vorfreude auf ein schönes mittagessen. wenn ich dann hinausgehe aus dem gebäude, fühle ich eine stärke, ein bild: das hemd, das in früheren zeiten mit stärke behandelt wurde, um gut, schön, genau, passend, gepflegt, auf sich achtend etc. dem träger etwas zu geben, das situiert erscheinen lässt; der äusseren situation, der zu begutachtenden befindlichkeit. aber ich gehe anders hinaus. es gibt den kleinen moment, wo ich das gestärkte hemd ausziehe und ich mich dennoch heimisch und mit mir in der welt spüre.

nur kurz, einige meter auf dem weg zum automobil, in das ich hastig einsteige, darinnen tief ausatme und auf der langen fahrt nachhause mir immer wieder die stellen vorspiele, wo ich falsch war, nicht bei mir wie zur zeit, als ich in meinem zimmer diese art komposition vorgefunden hatte. ich schäme mich, ich möchte es unerlebt haben. wenn ich zuhause bin, fällt dieses gefühl langsam von mir ab, spätestens dann, wenn ich mich gerne an den mittagstisch setze mit dem essen, das meine frau vorbereitet hat.

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