die schizoide schreibweise

ist nicht merkmal … zeichen für sogen. schizophrenie. schizoid schreiben ist zustand, sich von sich entfernt fühlen und sich dennoch nicht zu verlieren. eigentlich ist es ein zustand, den jeder professionell schreibende annähernd kennt. das wegschweben vom autobiografischen zur fiktion, die doch so viel mit dem selbst zu tun hat. wenn es gelingt, stellt sich der flow ein, das fliessende schreiben ins eigentlich ungewisse, doch wundersam geschient, so dass eine irre geleitetes wegdriften sich nicht ereignet.

die schizoide schreiberei, um ein bild zu brauchen, arbeitet am schmalen, sehr schmalen grad des abstürzens, nimmt in kauf, bei aller vorsicht trotzdem abhanden zu kommen, was sich darin zeigt, dass das geschriebene als nicht zu sich gehörend empfunden wird, so, als habe jemand anderes geschrieben. obwohl der text den schizoiden schreiber derart trifft, dass er sich in seinem getroffenwerden seltsam zuhause, bei sich … seltsam geborgen fühlt.

die literatur hieraus hat es schwer, käufer zu finden. obwohl es viele käufer gibt, die ähnliches changieren kennen. aber vieles aus der literarischen welt soll besänftigen, ganz gleich, wie schrecklich sich eine geschichte ausnimmt. schizoide texte sind nicht schrecklich, sondern machen wanken. innerer schwindel ohne organische beteiligung, ganz ohne lesegenuss. ein schwindel, stolpern, scheinbar fallen, um sich auszusetzen, was wirklich ist und wirklich sein könnte. mit kleinem rückhalt, mit kleiner versicherung, nicht abzustürzen in die wirkliche schizophrenie, die ihre eigene wirklichkeit formt, um ganz fern am leben teilhaben zu können.

am ende des tages kommst du und weinst mir trost, dass mir die tränen nützten. gedicht, vor so vielen jahren geschrieben. es kam aber niemand, und ich selbst habe auch nicht geweint, sondern mein schreiber in mir hat es mich schreiben lassen, kein trost hieraus, nur literatur, mehr oder weniger.

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