bernhards hochhaus

es wurde in den xxjahren hochgezogen, das dritte hochgebaute in dieser hässlichen stadt, die schnellstrasse war kriegsbedingt als eine schneise geschlagen worden mit schlechtem asphalt, der nach jedem winter geflickt werden musste. schon vor dem richtfest muss bernhard sich als mieter vorgemerkt haben … das vormerken, ganz gleich zu welchem ziel oder wunsch, war eine seiner deutlichen verhaltensweisen, wie man sagen könnte. eine sehr laute strasse, wo der strom der bewegungen bis zum morgen nicht nachlässt. bernhard hatte den fünften stock genommen, die höhe, wo strassengeräusche sich gedämpft ergeben und sich aber auch wenig wahrnehmbar machen; das nebenher pulsierende, sich bewegende, leben signalisierende, ohne lebendig zu sein. taugt die beschreibung seiner wohnungnahme als beschreibung seines wesens? nur wenig. das mittendrin und doch nicht dabeisein, vielleicht taugt dieser satz. in seiner arbeit, obdachlose einzukleiden, könnte man ähnlichkeiten sehen, wenn er kleidungsstücke hervorkramte, sie anziehen liess und wieder auskleidete und andere stücke holte, um doch, das eine ums andre mal, die ersten kleidungsstücke als kleidend herausgab, ohne worte, natürlich, nicht mitfühlend, taxierend, erwägend etc.

nach zwei jahren ergab ein architektenbewerb, die hochhausfassade, um sie der hässlichkeit zu entziehen, mit bunten kacheln zu ummanteln. man wählte farben, die sich beissen, wie man sagt, und man war der meinung, es wäre schön, passend zur strasse, zum nichtendenden fluss der fahrzeuge und man glaubte, diese farben gäben den menschen, die dort hochhinaus zuflucht suchten, ein wohnliches gefühl. in den xxjahren sind die meisten selbsttötungen von diesem haus getätigt worden, was nicht gegen die farbgebung sprechen soll.

das sogen. herkuleshochhaus verfügt heute über changierende kacheln mit modernem überzug, wo regen, schnee, schmutz etc. abperlen, sodass keine reinigung notwendig ist.

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