aufgabe aufgeben

seinerzeit, als xx sich vom turm stürzte, kein drama, nebenbei, ereilte mich ein telefonanruf, ob ich aushilfsweise unterrichten könnte, man wusste, wie unorthodox ich lehre … ich komme, sagte ich. deutschunterricht. was für ein wort. auf der fahrt dorthin fügten sich zwei worte, aufgabe und aufgeben, und ich wusste, was ich mit meinen geliebten schülern zu tun hatte. jeder sollte sich ein thema wählen,von dem er weiss, dass er es nicht darstellen kann, die aufgabe also aufgeben, und das von beginn des schreibens, sich von vornherein sinnlos und fehlgehend abarbeiten und dennoch nicht aufgeben. die zeit war auf zwei mal 45 minuten bemessen, und fast alle meiner schüler, die mich sehr mögen, haben nach der beendigungsglocke protestiert, es sei zuwenig zeit und schrieben weiter, um das fehlgehen zu erleben, das nichtschaffen, scheitern, mit worten, mit den gefühlen und bildern, die sich nicht einfangen lassen. wundervolle arbeiten, jenseits aller bewertung. ich sagte, in einer pause und hernach, als die deutschstunde endlich zuende gehen musste, ihr lieben, das ist schreiben, was heisst, wer schriftsteller sein will, muss sich immer und immer dem unterwerfen, es niemals zu beschreiben, was zu beschreiben unmöglich ist, egal, ob es als erfolg oder misserfolg bewertet wird . ich sage euch, auch, wenn das geschreibsel prämiert erscheint, ist es immer ein falsches zeugnis, ich bitte euch, bildet euch nichts ein, auf geld und anerkennung, das , was rettet, ist das buchstabengetreue, das folgsame setzen der buchstaben im heiligen glauben, es würde der wahrheit, der wirklichkeit gerecht. dann fuhr ich mit meinem wohnmobil in richtung meines geglaubten zuhause, das haus war leer, niemand drinnen, der garten unbewässert, die sitzmöbel unverrückt, ich setzte mich in die bambusliege.

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