als mensch

„werde ich vielleicht sterben oder als ein tier, in das ich mich solange hineingewünscht habe, ein leben lang.“

vielleicht sterben, sagt das kind. es redet nach, was es gehört hat in der abendrunde des besuchs der entfernten verwandten, wo brote mit wurst und käse und aufgewärmtes gegessen wird, es gibt gläser mit wein und flaschen, die geöffnet und ausgetrunken werden und zigarrenrauch und das viele lachen, das befreite lachen von allem, was sonst den tag kaum ertragen lässt. viel und leicht. randoph, elf oder zwölf jahre alt, spricht sich die worte viel und leicht leise daher, und das sterben ist ihm ganz fern. er fühlt sich auf immer geborgen im gemeinsamen abendbrot und kaut glücklich das brot mit leberwurst. rauchschwaden vernebeln die tischlampe, und randolph glaubt, er wäre bei ihnen allen aber trotzdem nicht ganz zu sehen, wie ein kleines tier, das unter der schwelle hineingelangt ist, und teilhaben kann am leben, das nicht enden kann. randolph wird ein elektriker werden, zeitnah, bis hin, wenn es elektriker nicht mehr zu geben braucht. er wird in seiner rentenzeit zusehen, wie sogen. digitales das handreichen ersetzt, wenn vieles und vielleicht alles wie von selbst sich fügt. dann wird er ganz alt sein. und er wird ganz in sicherheit und an einigen tagen dann an diese vergangenen kinderabende denken, sich vereinnahmen lassen, allein mit sich und dem sterben ziemlich nahe.

das ist oft das ende, wenn man geht, ohne weggehen wirklich gewollt zu haben. 

an unica zürn.

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